Vom Banker zum Kaffeeröster

Vom Banker zum Kaffeeröster

 

Es ist mitten in der Nacht, als Tamas Fejer aufwacht. Er ist aufgeregt und sucht nach etwas zu schreiben. Ein Blatt Papier oder eine Buchseite – egal, nur bloß nicht vergessen, was er in diesem Moment klar und deutlich weiß: „Ich werde Kaffeeröster.“ Als er am nächsten Morgen aufwacht, ist der Zettel und damit die Idee noch da. Fejer legt noch am gleichem Tag den Grundstein für die „Kaffeeschmiede“, seiner eigenen Kaffeerösterei.

Zu diesem Zeitpunkt hat Tamas Fejer schon einen weiten Weg hinter sich. Nach der Schule begann er eine Banklehre, studierte im Anschluss Betriebswirtschaft und absolvierte in den darauf folgenden Jahren verschiedene Stationen als Analyst und Controller in der Finanzbranche. Es waren erfolgreiche Jahre für Fejer. Er war gut in seinem Job und mochte das, was er tat. „Mit Zahlen konnte ich immer gut umgehen und die Arbeit hat zu mir gepasst“, so Fejer.

Ein Kaffee-Junkie wird zum Kaffee-Somelier

Irgendwann kamen dann aber Zweifel auf: „Ich stand kurz vor meinem vierzigsten Geburtstag. Ich hatte einen sicheren Job und mir standen alle Türen offen. Dennoch stellte ich mir die Frage, ob das jetzt bis zur Rente so weiter gehen soll.“ Sollte es nicht, entschied er. Leider fehlten ihm klare Alternativen. „Ideen hatte ich viele. Keine war aber so überzeugend, dass ich meinen Job dafür aufgeben wollte“, so Fejer. Eine Sache war ihm allerdings klar: Er wollte sich mit einem „positiven Produkt“ beschäftigen, etwas, das ihm und auch anderen Menschen Freude bereiten würde.

Und dann kam diese Nacht und mit ihr die Vision, Kaffeeröster zu werden. Eine Leidenschaft für Kaffee hatte Fejer eigentlich schon immer gehabt. „Ich war ein Kaffeejunkie“, erzählt er, „irgendwann bekam ich dann aber Probleme mit Sodbrennen und musste mich nach Alternativen umgucken.“ Kurzerhand fing er während des Studiums an, seinen Kaffee selber zu rösten – damals noch per Hand über einer Spiritusflamme. Zehn Jahre später verfügte Fejer über ein umfangreiches Wissen rund um Kaffee und seine Veredelung. Mit seiner eigenen Kaffeerösterei wollte er seine Leidenschaft nun mit anderen Menschen teilen.

Laut meinem ersten Business-Plan hätte ich eigentlich scheitern müssen. Das hat mich aber nicht abgehalten, an meine Idee von gutem Kaffee zu glauben.

Deutscher Röst-Meister

„Von da an gab es für mich kein Zurück“, berichtet Fejer heute. Er besuchte Röstereien in ganz Deutschland und suchte nach Möglichkeiten, sich weiteres Wissen anzueignen. Fündig wurde er in Wien. 2004 begann er dort – zunächst noch berufsbegleitend – seine Ausbildung zum „Chef-Kaffee-Somelier“. Mit der Ausbildung wuchs in ihm das Bewusstsein, den richtigen Weg eingeschlagen zu haben. Auf dem Papier sah das allerdings anders aus: „Ich habe alles hundertmal durchgerechnet und in keinem Szenario schien die Idee profitabel zu sein.“ An dieser Stelle wäre es vermutlich vernünftig gewesen, den Traum zu begraben. Zahlenmensch Fejer jedoch vertraute seinem Gefühl und setzte alles auf eine Karte: Er kündigte seinen sicheren Job in der Bank und eröffnete ein Jahr später die Privatrösterei „Kaffeeschmiede“ in Düsseldorf-Oberkassel.

Heute ist die „Kaffeeschmiede“ über Düsseldorf hinaus bekannt, nicht zuletzt deshalb, weil Fejer 2009 Deutscher Röstmeister wird. Seine Leidenschaft und sein handwerkliches Können werden nicht nur von den Juroren, sondern auch von seinen Kunden geschätzt. Neben der Gastronomie bietet er zudem Kaffeeseminare an, die lange im Voraus ausgebucht sind. Tamas Fejer lebt heute seine Leidenschaft für das Produkt, das er herstellt und verkauft. Fast noch wichtiger ist ihm aber der Austausch und Dialog mit seinen Kunden und Seminarteilnehmern. „Ich habe die einzigartige Chance, meine Begeisterung für Kaffee mit anderen Liebhabern zu teilen. Wenn ich heute meinen Job ausübe, habe ich nicht das Gefühl zu arbeiten“, so Fejer.

Auf die Leidenschaft vertrauen

Seinen heutigen Erfolg sieht er vor allem als das Ergebnis seiner Beharrlichkeit: „Gerade in der Anfangsphase gab es viele bürokratische und organisatorische Hindernisse. Dazu kam, dass viele in meinem Umfeld sicher waren, ich würde scheitern.“ Wichtige Stütze zu dieser Zeit war seine Lebensgefährtin. Im Rückblick erscheint ihm der Weg, den er in jener Nacht begonnen hat, dennoch als dornig: „Als ich meinen ersten Business-Plan fertiggestellt hatte, habe ich erkannt, dass die Wahrscheinlichkeit grandios zu scheitern recht hoch ist. Das hat mich aber nicht abgehalten, an meine Idee von gutem Kaffee zu glauben.“

Das muss er heute nicht mehr. Die „Kaffeschmiede“ ist aus Oberkassel nicht mehr wegzudenken. Fejer bereut die Entscheidung, ein sicheres Einkommen und einen geregelten Job für seine Kaffee-Leidenschaft aufgegeben zu haben, keine Sekunde: „Als die Idee erst einmal da war, aus meinem Enthusiasmus für Kaffee einen Beruf zu machen, war sie unaufhaltsam.“ Und falls ihm nachts neue Ideen kommen, wie er sein Produkt noch optimieren könnte: Zettel und Stift liegen immer bereit.

 

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