Ein eigenes Hostel in Patagonien

Ein eigenes Hostel in Patagonien

Wer hat nicht schon einmal darüber nachgedacht, alles hinzuschmeißen und irgendwo anders etwas Neues aufzubauen? Gesine Hidalgo Vásquez und ihr Mann Tommy wollen sich diesen Traum erfüllen. Im Herbst ziehen die beiden nach Patagonien, um dort ein Hostel zu eröffnen. Mitten in den Vorbereitungen haben wir Gesine getroffen.

Wie kommt man auf die Idee, rund 13.000 Kilometer entfernt von zu Hause ein Hostel zu eröffnen?

Mehr oder weniger durch Zufall. Als meine Schwester in Chile ihr Auslandssemster verbracht hat, habe ich sie begleitet und war so begeistert von Land und Leuten, dass ich beschlossen habe dort zu bleiben und Tourismus-Management zu studieren. Während des Studiums habe ich dann meinen Mann Tommy kennengelernt. Er war es schließlich, der mich für die Idee eines Hostels in Patagonien begeistert hat. Seitdem ist uns der Gedanke nicht mehr aus dem Kopf gegangen.

Warum habt ihr ihn dann nicht gleich in die Tat umgesetzt?

Wir hatten zwar beide erste Erfahrungen im Bereich Tourismus, aber bei vielen praktischen Aspekten fehlte uns schlicht das Wissen. Das fing schon bei den Unterkünften an. Wir hatten von Anfang an die Idee, dass unsere Gäste in speziellen Holz-Iglus, den „Domos“, übernachten. Wir hatten allerdings zu dem Zeitpunkt noch keine Ahnung, wie man sie herstellt. Das hat sich Tommy seither alles beigebracht. Ich habe beispielsweise gelernt, deutsche Kuchen und Torten zu backen, die in Chile als Delikatesse gelten. Und nicht zuletzt fehlte uns das passende Grundstück. Wir haben daher beschlossen, erst einmal zurück nach Deutschland zu gehen, um die Finanzierung auf solide Beine zu stellen.

Wie seid ihr dabei vorgegangen?

Ich habe dafür einen Job im Tourismus-Bereich angenommen, um das nötige Geld zu sparen. Dabei war von vornherein klar, dass ich den Job nur so lange mache bis die nötige Summe gespart war. Und auch wenn mein Chef und meine Kollegen wirklich super waren, so hat mir die Zeit noch mal klargemacht, dass ein Büro-Job einfach nicht das Richtige für mich ist und ich meinen eigenen Weg gehen muss – und der führt mich eben nach Patagonien.

Hattest du niemals Zweifel?

Nie. Wir haben immer an unsere Idee geglaubt. 2011 haben wir in unserem Urlaub vor Ort dann eine kleine Reiseagentur für Outdoor-Aktivitäten eröffnet, um zu testen, wie wir klarkommen und um Erfahrungen zu sammeln. Zu dieser Zeit haben wir dann auch unser Grundstück in Chaiten direkt am Meer gefunden. Ab diesem Zeitpunk war dann auch klar, dass es kein Zurück mehr gibt.

Natour Chile

Dennoch seid ihr wieder nach Deutschland gekommen.

Wir waren zu dem Zeitpunkt einfach noch nicht so weit. Wir wollten hier das finanzielle Fundament legen. Tommy und ich haben also von unseren Jobs so viel wie möglich zur Seite gelegt während er an den „Domos“ weitergearbeitet hat.

Das klingt nach erschwerten Bedingungen.

Das war zeitweise auch so. Wir haben etwa eine Zeit lang bei meiner Mutter gelebt. Vor dem Job als Tourismus-Manager habe ich auch eine Weile gekellnert. Aber wir haben auch viel Unterstützung erhalten. Als wir etwa den Prototypen unseres „Domos“ auf den Flohmarkt angeboten haben, hat ein Käufer sich sofort für die Holzkonstruktion begeistert, um sie als Klettergerüst für seine Kinder zu nutzen. Wir kamen dann ins Gespräch und erzählten ihm von unseren Plänen in Chile. Er war sofort begeistert und wollte uns unterstützen. Er stellt uns seither eine Werkstatt zur Verfügung, in der wir weiter an den „Domos“ bauen.

Im Herbst geht es, früher als geplant, nach Chile. Konntet ihr es nicht mehr erwarten?

Unser Plan war es eigentlich, fünf Jahre hier zu bleiben, um so viel Geld wie möglich zu sparen. Aber jetzt werden wir doch schon früher aufbrechen, weil es uns einfach zu sehr in den Fingern juckt. Wir wollen endlich loslegen! Anfang des Jahres haben wir die Flüge gebucht und sind jetzt mitten in den Vorbereitungen.

Welche Aufgaben warten in Chile jetzt auf euch?

Wir fangen fast bei Null an. Unser Grundstück ist zum Beispiel noch vollkommen mit Wald bedeckt. Dass bedeutet, wir müssen roden, Strom verlegen und die gesamte Infrastruktur schaffen, um unsere „Domos“ aufzubauen. Parallel werden wir uns auch dort erstmal Jobs suchen müssen, um das nötige Geld zu verdienen. Unsere Idee werden wir aber weiterhin Stück für Stück aufbauen und hoffentlich sehr schnell Gäste empfangen, die dann neben verschiedenen Outdoor-Aktivitäten bei uns auch das typisch chilenische BBQ und den leckeren Wein genießen können.

Kontakt zu Gesine und Tommy: tommy@natour.cl

 

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